Garteln wie’s im Buche steht

Was Kinder im Garten, mit Erdkrumen untern den Nägeln, erfahren können, bekommt heute wieder große Aufmerksamkeit. Wachstum beobachten, Ernährung bewusst erleben, selbständig an einem eigenen Projekt arbeiten oder Geduld üben – Gartensachbücher unterstützen dabei und statten Familien mit dem nötigen Fachwissen aus.

AutorIn: 
Andrea Kromoser


Immer wieder aufs Neue faszinierend, wie aus einer scheinbar leeren Fläche Erde ein Gemüse-, Kräuter- oder Blumenbeet entsteht. Nur wenige, zarte, im Frühjahr gepflanzte Setzlinge füllen schon im Herbst ein üppiges Beet. Während für Erwachsene die Zeit zwischen Frühblüherknospen und Kartoffelernte oftmals wie im Fluge vergeht, kann sie für Kinder eine gefühlte Ewigkeit bedeuten, die Geduld abverlangt, um dann auf so besondere Weise zu belohnen. Sachbücher, die sich mit der Thematik des Gärtnerns befassen, können Kinder und Familien dabei begleiten, unterstützen und auch anleiten, Gartenzeit gut und erfolgreich zu nutzen. Für die hier getroffene Buchauswahl wurde sowohl auf praktische sowie realistische Verwirklichungsmöglichkeiten der beschriebenen Projekte geachtet, als auch auf deren stimmig literarische sowie ästhetische Umsetzungen.

 

Nachschlagewerke für Profis

Überzeugend viel Liebe zum Detail steckt in Renate Habingers und Christa Schmoigers umfangreichem Garteninspirationsbuch für die ganze Familie, dem das fundierte Wissen beider Pflanzenliebhaberinnen auf allen Seiten anzusehen ist. Hier wird beispielsweise besprochen, welche Gemüsesorten sich nebeneinander im Beet gut vertragen und welche gar nicht, während einige Seiten weiter (mittels gezeichneter sowie ausformulierter Schritt-für-Schritt-Anleitung) Hilfsmittel für die Vorsaat selber gefaltet werden. „Weil wir möglichst viel (oder völlig) auf Plastik verzichten wollen, haben wir hier einen Vorschlag, wie du kleine oder winzig kleine Pflanztöpfchen aus Zeitungspapier ganz einfach und ohne Kosten selber falten kannst.“ (1) Mit ebenso großer Überzeugung für die Sache an sich, sowie einem sympathisch-selbstverständlichem Zutrauen an diverse handwerkliche Kompetenzen sprechen auch Bella Linde und Vanja Sandgren Kinder direkt an. „Eine pfiffige Art, dein Beet anzulegen ist ein Hochbeet aus Aufsatzrahmen für Paletten. Das ist eine Kiste ohne Boden und ohne Deckel, der Rahmen ist die Begrenzung für dein Beet.“ (2) Sämtliche, übersichtlich als auch pointiert gestalteten, Überlegungen zu Aussaat und Aufzucht der gängigsten Obst- und Gemüsesorten beziehen sich das gesamte Buch hindurch immer auf die Maße dieses Hochbeetes, das sich schon aufgrund seiner Höhe und überschaubaren Größe wunderbar für Kinder eignet.

 

Ein Jahr im Garten

Jene Eigenverantwortung, die Gerda Muller ihrer Protagonistin Sophie zugesteht, ist weniger anspruchsvoll und spricht ein etwas jüngeres Lesealter an. Das Mädchen besucht in den Ferien seine Großeltern am Land, wo  es sein Opa-Pa eines Morgens mit eigenen, gut bedienbaren, Gartenwerkzeugen beschenkt. „Er zeigt ihr ein kleines Beet, auf dem Sophie säen und pflanzen kann, was sie will. ‚Ich helfe dir‘, sagt er, ‚aber bevor es mit dem Säen losgehen kann, musst du den Boden erst mal mit deinem Rechen vom Grünzeug befreien.‘“ (3) Genussvoll stürzt sich das Stadtkind in ein Gartenabenteuer, das Gerda Muller liebevoll erzählt und mittels ihrer gewohnt stimmungsvollen Illustrationen zu einem informativen als auch kunstvollem Sachbilderbuch macht. Ebenso wie in Sophies Geschichte strukturieren auch die beiden folgenden Gartenbücher ihre Inhalte entlang des Jahresverlaufes. Annelie Johanssons Erfahrung aus ihren Pflanzkursen für Kinder, sorgt – neben den wundervollen Collagebildern Nadia Nörboms – für klar strukturierte Anweisungen mit Erfolgsgarantie. Wenn es beispielsweise gilt, die geeigneten Verhältnisse für die Aufzucht von Kartoffeln am Balkon zu gewähren: „Nimm einen Eimer. Er muss eine dunkle Farbe haben, damit kein Licht die Kartoffeltriebe erreicht. Bohre rund um den Eimerboden eine Reihe Löcher. So kann das Wasser ablaufen, wenn du aus Versehen zu viel gießt oder es kräftig regnet.“ (4) Jenen Aspekt des „urban gardening“ haben übrigens alle hier besprochenen Bücher gemeinsam. Immer wieder wird mithilfe praktischer Tipps auch dazu ermuntert, kleine Ecken auf Fensterbrettern, Terrassen oder Balkonen zu begrünen, um damit der Natur im städtischen Raum ein Stück näher zu sein.

 

Ebenfalls allen fünf Gartenbüchern gemeinsam ist ihre freundliche aber ernsthafte, durchdachte sowie kreative Nähe zu ihrem kindlichen Publikum. Bei Anke M. Leitzgen kommen jene Kinder, die für die Erprobung der vielfältigen Naturprojekte des Buches verantwortlich zeigen, auch persönlich zu Wort. Während beispielsweise auf den Fotos nebenan die Herstellung von Namensschildern für Pflanzen aus Löffeln vom Flohmarkt gezeigt wird, kommentiert deren junger Gestalter: „Meine Schilder zeigen mir, wo mein Salat wächst – und wo das Unkraut!“ (5) So gut organisiert und gleichzeitig ideenreich also lässt sich die Wartezeit zwischen Frühlingsblumen und Erntezeit verbringen! Wenn nicht gerade gegossen, gejätet oder gegen Schädlinge ermittelt wird, kann der Garten, egal ob draußen oder auf dem Fensterbrett, auf vielfältige Weisen beobachtet und genutzt werden. Auch davon erzählen diese Bücher, von Bastelideen, Experimenten, Beobachtungen und Rezepten. Übrigens: Sie sollten auf jeden Fall Renate Habingers „Bunten Sommersalat“ (S. 46) probieren und danach vielleicht Bella Linde und Vanja Sandgrens „Nudeln mit Zuckerschoten“ (S. 36). Dann wären Sie gut gestärkt um Gerda Mullers Protagonistin bei ihren herbstlichen Gartenräumarbeiten behilflich zu sein (S. 30f) oder mit Hilfe von Annelie Johanssons Anleitung eigene Tomatensamen für den nächsten Frühling zu sammeln (S. 66ff). Und im Winter? Da könnten Sie Comicgärten pflanzen. Die sind immer ein Hingucker. Wie das gemacht wird, verrät Ihnen Anke M. Leitzgen (S. 140).

 

  1. Renate Habinger/Christa Schmoiger: Aus 1 mach viel! Vom Samenkorn zum Festtagsschmaus. Wien: Nilpferd bei G & G 2015. S. 79.
  2. Bella Linde/Vanja Sandgren: Mein kleines Gartenbeet. Säen, ernten, essen. Aus dem Schwed. v. Amelie Persson. Berlin: Jacoby & Stuart 2016. S. 58.
  3. Gerda Muller: Was wächst denn da? Ein Jahr in Opas Garten. Aus dem Franz. v. Tatjana Kröll. 3. Aufl. Frankfurt am Main: Moritz 2015. S. 7.
  4. Annelie Johansson/Nadia Nörbom/Lena Granefelt: Pflanz mal was! Vom Säen bis zum Ernten. Aus dem Schwed. v. Maike Barth. Weinheim: Beltz & Gelberg 2017. S. 29.
  5. Anke M. Leitzgen/Judith Drews/Thekla Ehling: Meine Gartenwerkstatt. 4. Aufl. Hildesheim: Gerstenberg 2016. S. 26.

 

 

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